Am 3. Februar fand in Basel die zweite Konferenz «F3–Fighting Fake Facts» statt. Dabei diskutierten Fachleute unterschiedlicher Disziplinen die zahlreichen Facetten der Problematik von Fake News und präsentierten Massnahmen, wie solche erfolgreich zu bekämpfen sind. Hier die Zusammenfassung des Vormittags.
Wie im Vorjahr war die SATW Partnerin der vom Open-Access-Verlag MDPI organisierten Konferenz zum Thema «Fake Facts». SATW-Vorstandsmitglied Prof. Peter Seitz begrüsste die Anwesenden. Er habe lange geglaubt, man könne dem Problem technisch beikommen. Doch diese Sicht greife zu kurz. Es gelte auch beim Empfänger anzusetzen: Die drei grössten Verführer seien das Bauchgefühl (bzw. System 1 gemäss Daniel Kahnemann), unsere Tendenz Berichten zu glauben, die Vorurteile bestätigen, sowie soziale Einflüsse, etwa der Druck zur Konformität mit der Mehrheit oder der Gehorsam gegenüber Autoritäten. Man müsse sich diesen Aspekten bewusst sein, wenn man mit Meldungen konfrontiert sei, die gefälscht sein könnten.
Wissenschaft ist bedroht
Prof. Torsten Schwede, Vizerektor Forschung der Universität Basel, warnte davor die Fake News zu bagatellisieren: Die ständige Wiederholung von Falschinformationen bewirke, dass sich subjektive Behauptungen immer weniger an objektiven Beobachtungen messen lassen müssten. «Das untergräbt das Fundament der Wissenschaft und damit den technischen und zivilisatorischen Fortschritt.» Als Wissenschafter habe man die Pflicht, Fakten zu prüfen und bei Falschinformationen zu intervenieren. Doch wer wolle sich schon mit Trollen und Leugnern des Klimawandels anlegen? Zudem: Auch in der Forschung werde bisweilen gefälscht, wie er anhand eines Betrugsfalls in seinem Fachgebiet aufzeigte. Deshalb plädierte er für vollkommene Transparenz – bis hinunter zu den Rohdaten. Datenschutz, Copyrights etc. dürften keine Hindernisse für Open Science sein: Forschungsdaten sollen offen und transparent publiziert werden. «Als Wissenschaftler haben wir die Mittel Fakes aufzudecken.»
Das Publikum lauschte gebannt den Ausführungen von Torsten Schwede und Rafael Ball.
Dr. Rafael Ball, Direktor der ETH-Bibliothek zeigte auf, wie die Wissenschaft immer mehr Arbeitskraft in die Erzeugung von Aufmerksamkeit investieren müsse. Die Digitalisierung verschärfe die Entwicklung und wissenschaftliche Arbeit würde vermehrt einer quantitativer statt qualitativer Bewertung unterzogen, weshalb zunehmend neue Kanäle wie Social Media bedient werden müssten. Seit einigen Jahren würden dazu Wahrnehmungskennzahlen erhoben wie der «Attention Score», die inzwischen auch von etablierten Institutionen und Datenbanken genutzt werden. Forschende könnten sich dem Aufmerksamkeitswettbewerb kaum entziehen, weil zunehmend Karrieren und Fördermittel davon abhängen. Zudem verlange der harte Wettbewerb in der Publishing-Industrie nach spektakulären Ergebnissen. All dies könne dazu verleiten, sich nur noch mit Trendthemen zu beschäftigen, fragwürdige Experimente durchzuführen, spektakuläre Ergebnisse anzustreben oder gar zu fabrizieren. Der Druck, sich aus der Masse von jährlich 3 Millionen Papers herauszuheben, führe zu immer neuen Ideen. Das sei per se nicht verwerflich, doch wenn «Aufmerksamkeit generieren» zum primären Ziel der Wissenschaft werde, dürften fragwürdige Praktiken unweigerlich zunehmen. «Wenn Wahrnehmung wichtiger wird als Wahrheit, dann werden für die widerspruchslose Grenzverschiebung von Wissen zur Meinung und umgekehrt alle Schranken fallen», so sein beunruhigendes Fazit.











